Freitag, 18. Januar 2013

Gadi hat einen "Heiratsantrag" bekommen, doch...

Es ist schon witzig, wie einfach sich die Menschen Welpenaufzucht vorstellen. Nein, eigentlich ist es traurig. 

Unser Gadi hat die erste Deckanfrage bekommen. Doch so einfach läuft das bei uns nicht. Wir haben Ansprüche an die Hündin (Gadi wahrscheinlich weniger als wir, aber da muss er durch). Wir wurden übers Internet angefragt, ob Gadi kastriert sei und wenn nicht, ob wir ihn zum Decken zur Verfügung stellen würden. Da musste ich schon einmal schmunzeln. Wir fühlen uns natürlich geehrt, doch wen soll er denn decken? 
Um die Rasse des Tschechoslowakischen Wolfshundes gesund und das Erbgut so gross wie möglich zu halten, gibt es da einige Bedingungen, die Hündin sowie Rüde erfüllen müssen, zumindest denken wir so. Unser Gadi wird sicherlich angekört, vermutlich noch in diesem Jahr. Zuerst wird er aber auf HD (Hüfdysplasie), auf ED (Ellbogendysplasie) und DM (Degenerative Myelopathie) getestet. Wenn das alles passt, muss er den Wesenstest bestehen (da haben wir nicht wirklich bedenken) und sein Formwert wird auch noch beurteilt. Und dann sind wir soweit, dass wir Gadi geeigneten Hündinnen (Betonung auf geeignete) zur Verfügung stellen. 
Na, was ist denn eine geeignete Hündin? 
- Sie muss sicherlich reinrassig sein, da ja das Ziel ist, diese Rasse aufrecht zu erhalten. 
- Sie muss einen Stammbaum vorweisen können, damit es keine Innzucht gibt. 
- Sie muss gesund sein. Das heisst, sie muss alle nötigen Tests (HD, ED, DM) vorweisen können und sonst gesund sein.
- Sie muss angekört sein. Das heisst, sie muss dem Rassestandart entsprechen und den Wesenstest bestanden haben.
- Sie muss mindestens zweijährig sein.

Wenn die Hündin das alles erfüllt, steht dem Deckakt also nichts mehr im Weg? Neenee, so einfach ist das nicht. Schliesslich möchten wir, dass die Nachkommen von Gadi seriös aufgezogen und gut auf ihr zukünftiges Leben vorbereitet werden. Welpenaufzucht ist nicht so einfach, wie sich das manche vorstellen. Es braucht extrem viel Aufwand und Zeit. Schliesslich muss man jeden einzelnen Welpen (und das können beim Tschechen locker neun werden) auf das Leben vorbereiten. Wenn ein Welpe krank ist, muss man wissen, wie man handeln muss. Es sind so viele Kleinigkeiten, die man beachten muss und man kann so vieles falsch machen. Ausserdem muss man für jeden Welpen einen geeigneten (Betonung auf geeigneten) Platz finden. Und das ist nun mal nicht einfach.

Also und so haben wir auch Ansprüche an den Besitzer. 

- Der muss anerkannter Züchter sein, damit die Aufzucht der Welpen kontrolliert wird.
- Der muss sich mit der Welpenaufzucht intensiv beschäftigen.
- Der darf keine Massenzucht (beim Tschechen sowieso eher schwierig) betreiben.

Und wenn dann alles passt und die Hündin Gadi gefällt und umgekehrt, dann kann es vielleicht zu einem Deckakt kommen.

Jeder kann Welpen zeugen lassen, aber nicht jeder sollte Welpen zeugen lassen. Es ist wichtig, dass man aufpasst, wer von wem gedeckt wird, denn es steckt sehr viel Verantwortung dahinter, mehr als sich die meisten vorstellen können. Klar könnten wir Geld für den Deckakt bekommen, doch uns ist die Gesundheit von Gadi und seinen zukünftigen Nachkommen unbezahlbar.

Kommentare:

  1. Hallo Ramona,

    in vielen Punkten in Deinem Beitrag gehe ich mit Dir konform.
    Nur bei einem nicht, weil wir dann von dem Besitzer unseres Deckrüden "aussortiert" worden wären.
    "Der Besitzer muss anerkannter Züchter sein".
    Wir hatten im vergangenen Jahr einen Wurf English Springer Spaniel und es war unser erster Wurf. Somit konnten wir noch gar kein anerkannter Züchter (bis dato) sein. Wir haben aber auch alles gut gemeistert. Unsere Welpenkäufer würden dies bestätigen. Vielleicht habe ich das auch missinterpretiert, dann lösche diesen Kommentar einfach.
    Ansonsten haben auch wir alle notwendigen, vom Verband vorgeschriebenen Untersuchungen vornehmen lassen (und ein paar darüber hinaus). es sollte grundsätzlich sogar ein (nicht teurer) Gentest für Hunde vorgeschrieben sein. Das ist die einfachste Art die Hunde zu untersuchen.

    Liebe Grüße

    Thomas

    AntwortenLöschen
  2. Bei uns muss man ein Zuchtnamen beantragen und dann kommt ein Zuchtwart, dieser begutachtet dann, wo die Welpen geboren werden sollen (Wufkiste, etc.). Wenn das alles super ist, ist man ein anerkannter Züchter, auch wenn der erste Wurf noch nicht gefallen ist.
    Ich glaube ja nicht, dass alle die nicht anerkannt sind, schlecht züchten bzw. nicht alle die anerkannt sind, gut züchten. Es hängt auch immer vom Mensch dahinter ab. Ich finde es einfach nicht gut, dass jeder seine Hündin von jedem decken lassen kann, einfach weil die Welpen so süss sind. Dahinter steckt viel mehr und ich glaube, dass ihr das wisst und auch seriös gemacht habt.
    Der Gentest fände ich eine gute Lösung, aber eben... Es werden so viele "Rassehunde" auf dem Schwarzmarkt verkauft...

    Liebe Grüsse
    Ramona

    AntwortenLöschen