Heute waren wir mit zwölf Hunden an der Reuss. Die Hunde haben fröhlich geplantscht und dann haben wir uns im Schatten versammelt und etwas die Zeit genossen.
Wir sassen am Grillplatz zwischen dem erhöhten Dammweg und dem Fluss, als wir von hinten ein Mann herannahen sahen. Wir haben unseren Hunden gesagt, dass sie bleiben sollen. Beim Kreuzen von Menschen reicht das grundsätzlich aus. Doch plötzlich erkannte ich eine Leine um den Hals des Herren. Also musste irgendwo ein Hund sein.
Gut, wir also die Hunde herangerufen, waren aber etwas verunsichert, weil weit und breit kein Hund zu sehen war. Promt rannten zwei unserer Hunde los, bremsten aber dann auch gleich wieder ab und kamen zurück. Wir schauten dann, dass der Rest der Hunde dableibt. Logischerweise hatten wir keine Zeit mehr, alle anzuleinen. Wir sind aber sehr stolz, dass bis auf die zwei, die den Hund hinter dem hohen Gras, fünf Meter von uns entfernt, entdeckt hatten, kein weiterer Hund aufgestanden ist. Die Hunde blieben alle sehr ruhig und relaxt.
Gut, wir erwarteten schon einen Zusammenschiss, weil zwei Hunde losgeprescht waren. Und der kam auch. Aber Moment... Wir wussten beide erst nicht, ob wir richtig verstanden hatten.
"Warum macht ihr denn so einen Lärm? Seht doch nicht alles so negativ! Die Hunde tun sich schon nichts. Ich verstehe nicht, warum sie so hektisch alle Hunde zu sich nehmen. Da passiert doch nichts. Lasst doch die Hunde los."
Wir schauten uns an und da ich gerade in Diskussionslaune war, teilte ich ihm erschüttert mit, dass wir doch nicht zwölf Hunde auf einen fremden Hund losrennen lassen würden, dass das verantwortungslos sei.
Darauf meinte er, dass da nichts passieren würde, er hätte schon seit Jahren Hunde. Er kenne Hunde, die würden das schon regeln.
Ich fragte ihn dann, ob er meine Hunde denn kenne, was er tatsächlich mit ja beantwortete.
Ich versuchte ihm dann zu erklären, dass wir ja nicht wissen, wie der neu dazukommende Hund sei und reagiere und dass ein Rudel eine andere Dynamik hätte als ein Einzelhund. Er konterte nur, dass wir die Welt nicht so negativ sehen sollten, dass das unverschämt sei. Hier sei keine Leinenpflicht.
Wir haben dann mal nachgefragt, was er denn sagen würde, wenn sein Hund von einem unserer Hunde gebissen werden würde. Erst mal antwortete er, dass das nicht passieren würde. Nach dreimaligen Nachfragen hat er dann mal eine Sekunde überlegt und gefragt, warum denn der Hund, der beissen würde, keinen Maulkorb tragt.
Daraufhin habe ich geantwortet, ja, eben, weil wir solche Begegnungen nicht machen und die Hunde sich intern im Rudel ja super verstehen.
Er wollte dann noch wissen, was wir denn tun würden, wenn er jetzt an uns vorbei zum Wasser gehen würde. Naja, unsere Antwort war simpel, natürlich die Hunde zu uns hinnehmen und gut ist.
Er fand das wieder unverschämt und wir meinten dann, dass das nicht unverschämt sondern verantwortungsbewusst sei.
"Machen sie nur weiter so...!!!" Das waren dann seine letzten Worte, bis er uns endlich wieder unseren Frieden gelassen hat...
Eine Viertelstunde später kam eine Frau mit drei Hunden, sie konnte nicht anders, sie musste uns ansprechen. Ob wir auch schon so eine tolle Begegnung gehabt hätten? Wir lachten, bejahten und waren uns alle einig, dass wir eindeutig korrekt gehandelt hatten, in dem, dass wir unsere Hunde zu uns hingenommen haben.
Auf unser Rudel sind wir sehr stolz, bis auf die ersten zehn Sekunden, haben sie sich wirklich super vorbildlich verhalten, das hätte weitaus schlimmer ausgehen können. Aber manchmal fragt man sich schon, ob man im falschen Film ist.
Kann mir jemand beantworten, was sich ein Mensch überlegt, wenn er sagt, dass es ok sei, wenn ein Rudel von Hunden auf einen Einzelhund losrennt und vor allem dann, wenn ein "Nein" kommt, noch so heftig diskutiert.